Quelle: Gerd Altmann/Pixabay
#unterstrom

Schulworkshop: Ideen für das schlaue Zuhause

"Smart Kid? Smart Grid!" am Leonardo da Vinci Campus Nauen

Quelle: jungagiert e.V.

Lilith, 20 Jahre

#klischeefrei #unterstrom

Evelin steht vor dem Wirtschaftskurs der 12. Klasse des Leonardo da Vinci Campus Nauen und erklärt ihr Geschäftsmodell: „Housecontrol 3DPro visualisiert das Smart Home. Mithilfe von Bildern kann anschaulich die Helligkeit aller Lampen reguliert werden.“ Was für Außenstehende erst mal eher unverständlich klingen mag, leuchtet den Zuhörerinnen und Zuhörern auf jeden Fall ein. Denn auch sie haben sich einen Vormittag lang mit Smart Homes und Smart Grids beschäftigt. Und Evelin hat sich mit ihrem Team von neun Schülerinnen und Schülern eben Housecontrol 3DPro ausgedacht. Mithilfe der App kann eine Anwenderin bzw. ein Anwender am Handy die eigene Wohnung mitsamt allen elektrischen Geräten abbilden und diese anschließend kontrollieren. Aber der Reihe nach.

Von Smart Grids und Smart Homes

Quelle: Deutsche GesellschaftSmart Grids sind intelligente Stromnetze, die die Erzeugung, Speicherung und den Verbrauch von Energie revolutionierten sollen. Vor allem, um den Gesamtbedarf an Energie zu verringern und damit etwas zum Umweltschutz beizutragen. Den Schulwettbewerb dazu hat die Deutsche Gesellschaft zusammen mit der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft organisiert, 20 Schulen in ganz Deutschland machen im ersten Jahr mit. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen im Rahmen von Workshops Geschäftsideen rund um das Thema Smart Grid entwickeln, wobei sich Evelin und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter eher mit dem Smart Home beschäftigt haben. Smart Homes, also quasi durchdigitalisierte Haushalte mit untereinander vernetzten und fernsteuerbaren, beziehungsweise sich selbst steuernden Geräten, können Bestandteile von Smart Grids sein.

Evelin hält das Thema für zukunftsweisend: „Es ist auf jeden Fall innovativ. Gerade in der momentanen Zeit, in der Roboter entwickelt werden, ist das super relevant“, meint die 18-Jährige. „Vor allem können wir mit dem Smart Home unsere Sicherheit erhöhen, mit Kameras und automatisierten Sicherungsanlagen“, ergänzt Debora. Ihr liegt besonders viel daran, dass die Idee auch nach dem Workshop weiterentwickelt wird. „Es wäre schon toll, wenn das System aus der Schule herausgetragen wird und es ein weltweites Produkt wird!“

Diskutieren über Energie

Sinn des Workshops ist vor allem, Diskussionen zum Thema Energieversorgung im Allgemeinen anzuregen. Gleichzeitig hilft er den Schülerinnen und Schülern auf methodischer Ebene dabei, eigene Ideen zu entwickeln und in eine Gruppe auszuarbeiten. Ob danach mit den Ansätzen wirklich noch etwas passiert, frage ich Jan Roessel, Projektleiter der Deutschen Gesellschaft e. V.. „Das hängt sehr von den Schulen ab. Manche stellen viele Ressourcen bereit und arbeiten zum Beispiel im Rahmen einer AG oder Projektarbeit daran weiter“, meint er. Nauen bei Berlin ist nach Hamburg aber auch erst die zweite Schule, die beim Wettbewerb „Smart Kid? Smart Grid! Das Turnier mit Energie“ mitmacht, sodass es noch an Erfahrungswerten fehlt.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten den vorgegebenen Fragebogen zur Geschäftsentwicklung ab. Wie soll das Produkt heißen? Wie gestalten wir das Marketing? Welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden benötigt? Die Diskussionen gehen über die Vorgaben hinaus: Wo wollen wir produzieren? Wo kommen die Materialien her? China? Oder doch lieber Made in Germany?

Komfort plus Energieeinsparung

Quelle: Deutsche Gesellschaft„Mir ist es besonders wichtig, dass unser System für alle soziale Gruppen zugänglich wird“, betont Evelin in der Diskussion mehrmals und lenkt dadurch die Aufmerksamkeit auf die gesellschaftliche Relevanz. Auch Mitschüler Friedmann hat die Kundinnen und Kunden im Blick: „Wenn man damit komfortabler leben kann, dann nutzen es die Menschen auch. Das ist sicher ein Markt, der abgeht!“ Doch nicht nur der Komfort, sondern auch das Potenzial, über intelligente Systeme Energie zu sparen, spielt für ihn eine entscheidende Rolle. „Vielleicht realisieren die Leute irgendwann, dass der Klimawandel wirklich existiert. Dann müssen wir auch Strom sparen.“ Das Workshop-Format gefällt ihm gut. Wer die Workshops in den Unterricht holt? Sein Wirtschaftslehrer.

Der besagte Lehrer ist Remo Trebes. Er unterrichtet Wirtschaft in der 10-12. Klasse. Vor einem Jahr nahm er mit derselben Klasse bereits an dem Projekt „Energie kommt aus der Steckdose“ Teil. Ein Vorgängerprojekt, ebenfalls von der Deutschen Gesellschaft e. V. organisiert. Bei diesem schlüpften die Schülerinnen und Schüler in verschiedene Rollen und mussten als Teil einer Interessensgruppe oder eines staatlichen Akteurs diskutieren, wie am besten Strom von Nord- nach Süddeutschland transportiert werden sollte. „Für politische Diskussionen und Workshop-Formate nehmen wir uns gerne Zeit. In der Gruppenarbeit sind ganz andere Kompetenzen als im normalen Unterricht gefragt“, so der Lehrer. „Es ist eine wirklich gute Auflockerung, bei der jeder zu Wort kommt.“

Achtung, Rebound-Effekt!

Auch beim Thema Smart Grid ist Herr Trebes sofort aufgesprungen. Denn er hat dazu eine ganz spezielle Beziehung. Er selbst werkelt an einem eigenen Smart-Home-System und interessiert sich sehr für diesen Bereich. „Und ich bin nicht der Einzige. Ich denke, wir stehen da noch am Anfang der Digitalisierung, die viel Potenzial birgt“. In erster Linie scheint ihn der gesteigerte Komfort, der damit einhergeht, und die Lust an der eigenen Bastelei zu begeistern. Ob darüber automatisch Energie eingespart wird? Dadurch, dass die intelligenten Systeme nicht vergessen, das Licht auszuschalten wie wir Menschen und im besten Fall immer dann die Waschmaschine starten, wenn gerade irgendwo viel Wind weht, wäre das durchaus der Fall. Beachtet ist dabei allerdings nicht der Rebound-Effekt, der bei vielen Menschen dazu führt, dann wieder mehr zu verbrauchen, weil es viele neue Gadgets gibt, die man ja auch noch mit in das Smart Home einbauen kann.

Beim Projektvormittag in Nauen bleiben solche Feinheiten aber erst mal außen vor. Ebenso wie die konkreten technischen Möglichkeiten und Netzarchitekturen. Deshalb können die Schulen nach dem Workshop weiter an den dort angerissenen Geschäftsideen arbeiten. Auch Debora sieht vorerst eher den Vorteil in Bezug auf den persönlichen Komfort: „Ich fand den Workshop in jedem Fall interessant. Und es wäre schon schön, in Zukunft in eine vorgeheizte Wohnung zu kommen“. Vorstellen, in dem Bereich zu arbeiten, kann sie sich jedoch nicht. „Ich bin da nicht so talentiert mit dem Informatikkram“.

The Winner Takes It All

Quelle: Deutsche GesellschaftBei der Abschlusspräsentation der entwickelten Geschäftsmodelle gilt es aber noch nicht, sich entspannt zurückzulehnen. Schließlich sollen die Mitschülerinnen und Mitschüler die Ideen kommentieren und Nachfragen stellen. Neben der App Housecontrol 3DPro entsteht die Idee zu PROTECH, einer App, die Fehlermeldungen technischer Geräte analysiert, Anleitungen zur Selbstreparatur bereitstellt oder auf den entsprechenden Fachmann verweist. Als drittes Projekt haben sich die Schülerinnen und Schüler in Nauen ein Portal ausgedacht, das Housecontrol 3DPro in der Grundidee sehr ähnelt. Damit können jedoch zusätzlich direkt Zubehör und weitere Gerätschaften erworben werden. Besonderen Wert legt diese Gruppe auf ein nachhaltiges Wirtschaften und den Umweltaspekt. Um darüber nachzudenken, wie genau das erfolgen soll, fehlte aber an diesem Vormittag dann doch die Zeit.

Ob diese Projekte die Jury überzeugen, die über die Gewinnerteams entscheidet? Das wird sich im Frühjahr 2020 zeigen. Auf die Gewinnerteams wartet die Einladung zur Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs sowie ein Geldpreis. Bis dahin lassen sich die Ideenskizzen auf der Website von Smart Kid? Smart Grid! einsehen.

                                             

In Kooperation mit dem Projekt „Smart Kid? Smart Grid! Das Turnier mit Energie“ – Mehr Infos unter netzausbaumachtschule.de