#nichtwurst
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Frisch auf den Blog

Fotografiert wird, was auf den Tisch kommt. Milena über Motivation, Inspiration und Zeitaufwand ihres Foodblogs.

Wenn bei uns im Büro die Mittagspause ansteht, wissen meine Kolleginnen Julia, Marie und ich schon genau, was wir essen werden. Für uns ist nicht nur entscheidend, dass es schnell geht und gut schmeckt, sondern auch, dass wir abwechslungsreiche Gerichte zubereiten. Denn wir kochen mittlerweile nicht mehr nur des Hungers wegen. Wir kochen auch für ein gutes Foto. Auf unserem Instagram-Account teilen wir täglich, was bei uns auf den Tisch kommt: "This is how we lunch. Mittagspause in Berlin. 3 Mädchen, kleine Büroküche, großer Hunger. Meistens vegan."

Eigentlich war das Mittagessen für mich immer die Mahlzeit, die ich am wenigsten mochte. Man hat nur begrenzt Zeit fürs Kochen, mittags ist der Hunger oft noch nicht so groß und nach dem Essen fühlt man sich häufig völlig erledigt. Wenn man in einem Büro arbeitet, wird das Mittagessen aber zur wichtigsten Mahlzeit des Tages.

Kochen statt kaufen

Manche meiner Kollegen gehen fast jeden Tag auswärts essen, andere bringen sich Reste vom Vortag mit. Da uns das eine auf Dauer zu teuer und das andere zu einseitig ist, bereiten Marie, Julia und ich unser Mittagessen jeden Tag in unserer kleinen Büroküche selbst zu.

Wir alle lieben gutes Essen, stöbern ständig nach neuen Rezepten und folgen zahlreichen Food-Accounts auf Instagram. Ohne groß darüber nachzudenken, entschieden wir uns deshalb, uns ebenfalls einen Account zuzulegen. Wir wollten zeigen, dass man auch auf zwei Herdplatten und ohne großen Aufwand ein schöneres Mittagessen zaubern kann, als Tortellini mit Pesto. Inzwischen folgen "This is how we lunch“ fast 4000 Follower.

Uns macht es glücklich, wenn wir andere mit unseren Gerichten inspirieren können. In der Instagram-Welt spielen wir aber eine eher kleine Rolle. Zur Orientierung: Der britische Koch Jamie Oliver hat dreieinhalb Millionen Follower. Sarah Philipps, die einen der erfolgreichsten Food-Accounts auf Instagram betreibt, kann fast 415.000 vorweisen.

Doch das sind eher die Ausnahmen. Food-Accounts und Essensfotos gibt es auf der Plattform schließlich in Massen. Allein unter dem Hashtag #food erscheinen 165 Millionen Beiträge. Um dort herauszustechen, hilft es deshalb, sich einem bestimmten Thema zu widmen. "Food in the Air" hält beispielsweise jede Mahlzeit in die Luft, "Cooking for Bae" dokumentiert ausschließlich misslungene Kochversuche. Bei uns dreht sich alles ums "Lunch".

Zu unseren Gerichten inspirieren uns vor allem andere Food-Blogger und -Instagrammer. In einem Ordner auf Pinterest sammeln wir unsere Ideen, um sie jederzeit greifbar zu haben und sie nicht zu verlieren. Einmal die Woche versuchen wir auch auswärts essen zu gehen, denn das lohnt sich in Berlin immer und bringt natürlich auch Abwechslung auf unserem Profil.

Kein großer Aufwand 

Hinter unseren Posts steckt letztlich nicht viel mehr Arbeit als hinter einem normalen Mittagessen im Büro – nur, dass wir etwas besser geplant sind. Wir überlegen uns meist schon Anfang der Woche, was wir an welchem Tag kochen wollen, sprechen uns ab, achten auf saisonale Zutaten. Aufwendig ist an der Stelle nur, dass wir immer neue Rezepte finden und uns nicht wiederholen wollen. Zwei Tage hintereinander Suppenrezepte hochzuladen, wäre langweilig.

Das Einkaufen und Kochen geht wiederum recht schnell, nur dauert es bei uns manchmal noch eine Sekunde länger bis wir am Tisch sitzen. Denn einen Teller richten wir immer besonders schön an, streuen frische Kräuter darüber und fotografieren ihn in Tageslichtnähe, also auf der Fensterbank oder einem Tischchen. Manchmal legen wir noch eine Requisite dazu, etwa einen Löffel. Oder eine von uns muss als Handmodel herhalten. Obwohl viele Food-Accounts ihre Fotos sicherlich nicht mehr mit dem Smartphone aufnehmen, bleiben wir dabei. Der Aufwand mit einer richtigen Kamera ist uns zu groß.

Die wirkliche Arbeit folgt erst nach dem Essen, wenn wir die Fotos auswählen, bearbeiten, hochladen und die Rezepte ergänzen. Oft ist das aber auch der schönste Teil, wenn man sieht, dass mal wieder ein hübsches Gericht herausgekommen ist.

Auf der Suche nach dem Like-Rezept

Als wir angefangen haben, unser Essen zu fotografieren und auf Instagram hochzuladen, haben wir schnell gemerkt, dass manche Fotos mehr Likes bekommen als andere. Woran das liegen könnte, haben wir teilweise schon herausgefunden, teilweise probieren wir immer noch aus. Hashtags wie #vegan, #lunch oder #healthy dürfen nicht fehlen, damit uns neue Nutzer finden können. Genauso mögen die Leute möglichst simple Rezepte. Wenn wir Pasta kochen, wird das immer gut angenommen. Unsere Follower erwarten von uns keine aufwendig arrangierten Fotos, sondern aussagekräftige Bilder zu einfachen, schnellen Gerichten.

Irgendwann kam uns die Idee, auch das Rezept ("This is how you lunch") unter die Fotos zu posten, um den Bildern einen Mehrwert zu verleihen. Das hat unsere Reichweite nochmal verstärkt. Wir haben auch gemerkt, dass es sich lohnen kann, Rezepte von anderen Instagrammern aufzugreifen. Eine Suppe, die wir nach dem Rezept von "Green Kitchen Stories" gekocht haben, hat fünfmal so viele Likes erhalten wie ein Foto normalerweise bekommt – auch, weil "Green Kitchen Stories" mit seinen fast 250.000 Followern das Bild geliked hat.

Obwohl wir wissen, dass man mit Instagram heutzutage ziemlich erfolgreich werden, vielleicht sogar ein eigenes Kochbuch veröffentlichen kann, ist der Account für uns eine reine Spaßangelegenheit, eine Abwechslung zum Büroalltag. Wir haben bisher kein Geld dafür oder Angebote dadurch bekommen. Wir haben jetzt aber eine Mail-Adresse eingerichtet – nur, um mal zu sehen, ob sie jemand nutzt.

© Foto Header: Privat – bearbeitet durch Minax Intermedia GmbH & Co. KG, Fotos Text: Privat