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"Darf ich dich küssen?" – Konsens ist sexy

Daniel, 24 Jahre

Konsens ist wichtig für alle zwischenmenschlichen Begegnungen – besonders, wenn es intim wird. Aber was bedeutet Konsens eigentlich und warum ist es so wichtig, auf Konsens zu achten?

Der Begriff Konsens und die damit verbundenen Diskussionen leiten sich zum Teil aus Debatten im englischsprachigen Raum und dem dort verwendeten Begriff „consent“ ab. Das kann mit dem deutschen Wort Zustimmung übersetzt werden. Wenn über Konsens gesprochen wird, geht es um bereitwillige Zustimmung zwischen allen Beteiligten einer Situation. Das heißt nicht, dass zwei oder mehrere Personen unterschiedliches wollen und dann zu einem Kompromiss kommen. Wenn es um das intime Miteinander geht, kann es keinen Kompromiss zwischen ‚Ich will‘ und ‚Ich will nicht‘ geben. Konsens bedeutet dann, dass alle Beteiligten wirklich Lust auf gemeinsame Nähe miteinander haben.

Bei Konsens ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten darüber austauschen, was sie möchten und was sie nicht möchten. Und dieser Konsens kann auch jederzeit widerrufen werden – denn er bedeutet nicht, dass alles okay ist, was ab dann passiert.

Nachfragen kostet nichts

Besonders wenn es um sexuelle Aktivitäten geht, sind die Beteiligten verletzlich und nicht immer können sie problemlos zustimmen oder ablehnen – zum Beispiel weil sie dem Gegenüber gefallen wollen, betrunken oder unter Drogeneinfluss oder in irgendeiner Form abhängig vom Gegenüber sind und sich dadurch nicht trauen, nein zu sagen. Das kann der Fall sein, wenn jemand nach einer Party keinen Schlafplatz hat und nicht mehr nach Hause kommt und dadurch gezwungen ist, bei jemand anderen zu übernachten. Wir sind nicht immer in der Lage, Situationen und vor allem Absichten einzuschätzen. Bedeutet „Darf ich heute bei dir schlafen?“ nur genau das oder bedeutet es eigentlich „Ich würde heute gerne bei dir schlafen – und mit dir.“?

Deswegen ist es wichtig, bei Unsicherheiten nachzufragen und sich Konsens – also Zustimmung – einzuholen und auf nonverbale Signale wie zum Beispiel Körpersprache zu achten. Es muss nicht erst ein Nein geäußert werden, um zu signalisieren, dass etwas nicht okay ist. Etwas ist erst dann okay, wenn du Zustimmung bekommst.

Trinken, bis die Hemmungen fallen

Viele Jugendlichen und auch Erwachsene trinken gerne ein, zwei oder auch drei alkoholische Getränke, um lockerer zu werden. Manche müssen sich Mut antrinken, um auf andere Menschen zugehen zu können. Das ist vollkommen okay. Aber wenn der Alkohol fließt und vielleicht auch andere Drogen im Spiel sind, ist es schwierig bis unmöglich, sich eine Zustimmung einzuholen, die auch nüchtern genau so fallen würde.

Wer kennt es nicht? Betrunkene Menschen machen Dinge, die sie am nächsten Tag bereuen. Auch wenn es nach Spaß klingt oder auf den ersten Blick harmlos wirkt, darf nicht unterschätzt werden, dass einige Menschen solche Situationen ausnutzen. Wenn jemand so betrunken ist, dass er oder sie nicht nein sagen kann, ist Schlaf das einzige, was diese Person in einem Bett zu suchen hat. Wenn er oder sie in dieser Situation zu mehr gedrängt wird, ist es ein Zwang und damit ein Übergriff. Und das ist in Deutschland strafbar.

 

 

Konsens ist sexy

Es ist ein Zeichen von Interesse und Aufmerksamkeit, wenn du dein Gegenüber fragst „Darf ich dich küssen?“. Es kann sehr romantisch auf einige Menschen wirken und kommt definitiv besser an, als ein unerwarteter und möglicherweise unerwünschter Kuss. Wie es eine Kampagne aus den USA formulierte: „Konsens ist sexy. Sex ohne Konsens ist Vergewaltigung“. Denn jede zwischenmenschliche Begegnung sollte gewollt, begehrt und erfreulich für alle Beteiligten sein. Das ist es, was ein gesundes Miteinander ausmacht. Alles andere ist uncooles und übergriffiges Verhalten.

Heißt das, dass vor jedem Kuss die ausdrückliche Frage gestellt werden muss? Nicht unbedingt, Konsens kann in allen möglichen Formen erteilt und eingeholt werden. Dafür muss aber zumindest einmal offen darüber gesprochen werden, um das zukünftige Miteinander zu planen. Das ist aber schwierig, wenn sich die beteiligten Personen noch nicht kennen. In ersten Begegnungen ist das aktive Fragen daher unumgänglich – zum Beispiel, wenn sich zwei Menschen frisch auf der Tanzfläche kennenlernen. So verhindern wir, dass körperliche Signale falsch gedeutet werden. Denn Konsens bedeutet auch, dass alle wissen, worum es geht.

Nein heißt immer nein

Wenn zu einem Zeitpunkt ein Nein fällt, dann ist dieses Nein final und darf nicht angezweifelt oder in Frage gestellt werden. Ein Nein muss dabei nicht immer verbal kommuniziert, also ausgesprochen werden. Wenn ich meine Hand auf das Bein meines Partners lege und er sein Bein wegzieht, ist es für mich ein non-verbales Signal, dass meine Hand in diesem Moment unerwünscht ist. Und das muss ich akzeptieren und verstehen. Und es ist immer okay, nein zu sagen. Wenn dein Partner oder deine Partnerin deine Bedürfnisse und dein Wohlbefinden ernst nimmt, wird er oder sie dir das nicht übel nehmen. Und wenn doch, ist das ein klares Signal, sich von dieser Person zu distanzieren. Wenn dein Gegenüber wiederholt versucht, deine Grenzen zu überschreiten, solltest du dir überlegen, ob du mit jemanden weiter Zeit verbringen möchtest, der oder die dich und deine Bedürfnisse so wenig respektiert.

Wie kann das alles jetzt praktisch aussehen?

Es ging jetzt viel um Sex und Konsens ist ein wichtiger Bestandteil von Sex. Aber Konsens geht viel weiter und darf nicht nur auf ein Nachfragen im Bett beschränkt werden. Konsens muss an den Küchentisch, auf die Schulhöfe und an den Arbeitsplatz getragen werden. Wir sollten immer und überall darüber reden, wie wir miteinander umgehen möchten.

Wenn im Sportunterricht Übungen durchgeführt werden, bei denen zum Beispiel Hände gehalten werden müssen, ist es auch da wichtig zu fragen, ob das okay ist. Konsens muss also zu einer Routine werden, die wir in unser alltägliches Leben integrieren. Denn nur so können wir sicherstellen, dass sich alle wohl fühlen. Viel zu oft nehmen wir Dinge für selbstverständlich an, die es eigentlich nicht sind.

Sicherlich kannst auch du dich an eine Situation erinnern, wo du lieber nach deiner Meinung gefragt worden wärst. Durch einen ausdrücklichen Konsens können solche Situationen verhindert werden. Er muss dabei aus der Zustimmung aller Beteiligten bestehen, freiwillig erteilt worden sein und alle müssen zurechnungsfähig und informiert sein. Außerdem darf Konsens jederzeit widerrufen werden. Ein „Vielleicht“ oder „Ich bin mir nicht sicher“ ist kein Konsens. Wenn auf Fragen wie „Ist … für dich okay?“ mit einem klaren Ja geantwortet wird, erst dann gibt es einen Konsens.

Da ist was schiefgegangen mit dem Konsens? Dann musst du das nicht mit dir selbst ausmachen!

Immer noch geschieht es viel zu häufig, dass Interaktionen unkonsensual ablaufen – also ohne beiderseitige Zustimmung. Die Person, die unangenehme bis übergriffige Situationen erfährt, trägt nicht die Schuld. Sondern die Person, die es versäumt hat, nachzufragen. Darum ist es wichtig, sich mit Freund*innen aber auch Lehrer*innen und Eltern über solche Themen auszutauschen.

Manchmal fällt es einem aber auch leichter, solche Themen mit Außenstehenden zu besprechen. Solltest du in eine übergriffige Situation geraten sein oder jemanden kennen, der oder die eine übergriffige Situation erlebt hat, dann kannst du oder dein*e Freund*in sich anonym und kostenfrei zum Beispiel an save me online oder verschiedene Hilfetelefone wenden.

 

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