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Weil es alle machen – über Gruppenzwang und Ausprobieren

Daniel, 25 Jahre

Mit 14 Jahren hätte ich es nicht zugegeben, aber heute bin ich mir ziemlich sicher: Gruppenzwang war der Grund, warum ich angefangen habe zu rauchen – und das, obwohl die ersten Züge an der Zigarette nicht einmal schmeckten.

Die coolen Jugendlichen und die Älteren, mit denen wir alle abhängen wollten, haben geraucht, das hat gereicht. Jemals mit dem Rauchen angefangen zu haben, ist mit Abstand das Ereignis aus meiner Jugend, das ich am meisten bereue. Noch heute kämpfe ich mit dem Aufhören. Aber was ist dieser Gruppenzwang und warum ist er so mächtig? Und wie können wir ihm entkommen?

In der Regel möchte niemand Stress oder großartig Diskussionen – vor allem nicht mit Freund*innen. Das Leben lebt sich um einiges schöner, wenn alles friedlich und ohne großen Ärger abläuft – oder? Und genau so funktioniert Gruppenzwang: Es ist dieser unbewusste Druck, mit dem Verhalten oder der Meinung der Gruppe übereinzustimmen – getreu dem Motto: Was alle machen, kann doch nicht falsch sein.

Das zeigt sich zum Beispiel in der Musik, die auf den Schulhöfen gespielt wird und dadurch bei den Streaming-Diensten vorne landet. Gruppenzwang wie dieser wird nicht immer als schlimm oder schädlich wahrgenommen. Bestimmte Meinungen und Leute in Gruppen können sich auch positiv auf Einzelne auswirken. Zum Beispiel, wenn sich Menschen gezwungen fühlen, nicht über eine rote Ampel zu laufen, weil Kinder neben ihnen warten – und denen will man ja kein schlechtes Vorbild sein.

Wichtige Hinweise (auch) wegen Corona:

  • Raucht nur im Freien oder bei offenem Fenster
  • Haltet viel Abstand voneinander
  • Verwendet alle ein eigenes Mundstück (am besten Einwegartikel)

Gruppenzwang bedeutet, dazugehören zu wollen

Das Anpassen an Gruppen wird aber zu einem Problem, wenn Einzelne in einer Gruppe sich gezwungen fühlen, etwas zu machen was sie nicht unbedingt möchten oder später einmal bereuen könnten. Warum wir manchmal in diese Falle laufen? Dazu gibt es sogar Studien und Untersuchungen, zum Beispiel das Konformitätsexperiment von 1951.

Nur weil es alle machen, ist es noch lange nicht gut

Es ist jedenfalls schwierig, über Gruppenzwang zu sprechen, weil er unterbewusst funktioniert. Aber die Meinung und das Handeln von Vielen oder einer Gruppe muss nicht immer das Richtige oder Beste sein. Wenn alle von derselben Person in einer Klassenarbeit abschreiben, nützt es niemanden, wenn deren Antworten falsch sind. Nur weil es alle machen, ist es noch lange nicht gut oder richtig. Ganz im Gegenteil, es kann sogar Gefahren mit sich bringen.

Entkomme dem Gruppenzwang

Wenn Menschen wegen Gruppenzwängen nicht das machen, worauf sie eigentlich Lust haben, kann das echt schlimm sein. Es wird besonders gefährlich, wenn größere Gruppen, wie zum Beispiel ganze Bevölkerungen, sich einem Gruppenzwang beugen und das Geschehen um sich herum nicht hinterfragen, sondern unkritisch abnicken. Das zeigt der Film „Die Welle“, in dem ein Sozialexperiment nachstellt, wie Gruppenzwang Hitler und Nazis in Deutschland den Weg geebnet haben.

Gegen den Strom schwimmen bedeutet, Reife zeigen

Es ist natürlich einfach gesagt: „Entkomme dem Gruppenzwang“. Aber es gibt einige Tipps für Momente, in denen du dich vielleicht von einer Gruppe zu etwas gezwungen fühlst. Wenn dir jemand eine Shisha anbietet oder dich dazu drängt, Alkohol zu trinken, dann frag doch dein Gegenüber, warum sie oder er raucht oder trinkt.

Wenn er oder sie dann immer noch darauf drängt, dass du mitmachst, obwohl du gar nicht willst, dann muss ein klares und deutliches Nein her. Es ist wichtig, Grenzen zu setzen, das ist ein Zeichen für Stärke und Reife. Wenn sich jemand dem Gruppenzwang widersetzt, schafft das die Möglichkeit dafür, dass immer mehr auch Nein sagen, wenn sie etwas eigentlich nicht wollen.

Sag nein zum Gruppenzwang

Es ist schwierig, sich alleine oder mit wenigen gegen eine Gruppe zu stellen. Noch schwieriger ist es aber, begangene Fehler zu korrigieren. Viele aus meinem Freundeskreis und auch ich versuchen mal mehr und mal weniger erfolgreich, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wäre viel einfacher gewesen, damals einfach Nein gesagt zu haben. Den Gruppenzwang dahinter habe ich damals nicht gesehen. Wenn dir Zigaretten von neuen Leuten angeboten werden, hast du die Möglichkeit, dankend abzulehnen, aber anzukündigen, dich gerne zum Rauchen dazuzustellen. So kann man sich vor dem Gruppenzwang schützen und trotzdem mit der Gruppe zusammen sein.

Zu lernen, Nein zu sagen und Situationen zu erkennen, die für einen potenziell gefährlich sein könnten, ist wichtig und bedeutet, selbstständig zu werden. Das kann dir später viele Probleme ersparen.

Wenn du dir selbst (noch) nicht über den Weg traust, kannst du ungesunde Gruppensituationen auch erstmal vermeiden und zum Beispiel mehr mit Freund*innen abhängen, die das nicht in Shisha-Bars tun. So entsteht der Gruppenzwang ums Dampfen gar nicht, du setzt dich nicht dem Passivdampfen aus und ihr könnte zusammen eine gute Zeit haben.

Natürlich kann es trotzdem immer passieren, dass man etwas tut, was man im Nachhinein bereut. Dann ist es wichtig, darüber zu reden und sich jemandem anzuvertrauen.

 

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