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Weil es alle machen – über Gruppenzwang und Ausprobieren

Daniel, 24 Jahre

Damals, mit 14 Jahren, hätte ich es nicht zugegeben, aber heute bin ich mir ziemlich sicher: Gruppenzwang war der Grund, warum ich angefangen habe zu Rauchen – und das, obwohl die ersten Züge an der Zigarette nicht einmal schmeckten.

Die coolen Jugendlichen und die Älteren, mit denen wir alle abhängen wollten, haben geraucht, das hat gereicht. Jemals mit dem Rauchen angefangen zu haben, ist mit Abstand das Ereignis aus meiner Jugend, das ich am meisten bereue. Noch heute kämpfe ich mit dem Aufhören. Aber was ist dieser Gruppenzwang und warum ist er so mächtig? Und wie können wir ihm entkommen?

In der Regel möchte niemand Stress oder großartig Diskussionen – vor allem nicht mit Freundinnen und Freunden. Das Leben lebt sich um einiges schöner, wenn alles friedlich und ohne große Reibereien abläuft – oder? Und genau so funktioniert Gruppenzwang: Es ist dieser unterbewusste Druck, mit dem Verhalten oder der Meinung der Gruppe übereinzustimmen – getreu dem Motto: Was alle machen, kann doch nicht falsch sein.

Das zeigt sich zum Beispiel in der Musik, die auf den Schulhöfen gespielt wird und dadurch bei den Streaming-Diensten vorne landet. Gruppenzwang wie dieser wird nicht immer als negativ wahrgenommen. Bestimmte Meinungen und Persönlichkeiten in Gruppen können sich auch positiv auf Einzelne auswirken. Zum Beispiel, wenn sich Menschen gezwungen fühlen, nicht über eine rote Ampel zu laufen, weil Kinder neben einem warten und denen will man ja kein schlechtes Vorbild sein.

Gruppenzwang bedeutet, dazugehören zu wollen

Das Anpassen an Gruppen wird aber zu einem Problem, wenn einzelne in einer Gruppe sich gezwungen fühlen, etwas zu machen was sie nicht unbedingt möchten oder später einmal bereuen könnten. Warum wir manchmal in diese Falle tappen? Dazu gibt es diverse Studien und Untersuchungen, zum Beispiel das Konformitätsexperiment von 1951.

Nur weil es alle machen, ist es noch lange nicht gut

Es ist jedenfalls schwierig, über Gruppenzwänge und -dynamiken zu sprechen, weil sie unterbewusst funktionieren. Aber die Meinung oder das Handeln der Mehrheit oder der Gruppe muss nicht immer das Richtige oder Beste sein. Wenn alle von derselben Person in einer Klausur abschreiben, nützt es niemanden, wenn deren Antworten falsch sind. Nur weil es alle machen, ist es noch lange nicht gut oder richtig. Ganz im Gegenteil, es kann sogar Gefahren mit sich bringen.

Entkomme dem Gruppenzwang

Wenn Menschen wegen Gruppenzwängen nicht das machen, worauf sie eigentlich Lust haben, kann es einen sehr belasten. Es wird besonders gefährlich, wenn größere Gruppen, wie zum Beispiel ganze Bevölkerungen, sich einem Gruppenzwang beugen und das Geschehen um sich herum nicht hinterfragen, sondern unkritisch abnicken. Das zeigt der Film „Die Welle“, der basierend auf einem Sozialexperiment darstellt, wie Gruppenzwang Hitler und Nazis in Deutschland den Weg geebnet haben.

Gegen den Strom schwimmen bedeutet, Reife zeigen

Es ist natürlich einfach gesagt: „Entkomme dem Gruppenzwang“. Aber es gibt einige Verhaltenstipps in Situationen, wo du vielleicht Gruppenzwang verspürst. Wenn dir jemand eine Shisha anbietet oder dich dazu drängt, Alkohol zu trinken, dann frag doch dein Gegenüber, warum sie*er raucht oder trinkt.

Wenn dein Gegenüber immer noch darauf drängt, dass du mitmachst, obwohl du gar nicht willst, dann muss ein klares und deutliches Nein her. Es ist wichtig, Grenzen zu setzen, das ist ein Zeichen für Stärke und Reife. Wenn sich eine Person dem Gruppenzwang widersetzt, schafft das die Möglichkeit für neue Dynamiken und mehr und mehr könnten sich motiviert fühlen, auch Nein zu sagen.

Sag nein zum Gruppenzwang

Es ist schwierig, gegen den Strom zu schwimmen. Noch schwieriger ist es aber, begangene Fehler zu korrigieren. Ich und viele aus meinem Freundeskreis versuchen mal mehr und mal weniger erfolgreich, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wäre viel einfacher gewesen, damals einfach Nein gesagt zu haben. Den Gruppenzwang dahinter habe ich damals nicht erkannt. Wenn mir heute Zigaretten von neuen Leuten angeboten werden, lehne ich dankend ab, aber kündige an, mich gerne zum Rauchen dazuzustellen. So entkomme ich dem Gruppenzwang des Rauchens, kann aber trotzdem mit der Gruppe zusammen sein.

Zu lernen, Nein zu sagen und Situationen zu erkennen, die für einen potenziell gefährlich sein könnten, ist wichtig und bedeutet, selbstständig zu werden. Früh verhängnisvolle Gruppendynamiken zu erkennen und zu lernen, damit umzugehen, erspart viele Probleme.

Wenn du dir selbst (noch) nicht über den Weg traust, kannst du ungesunde Gruppensituationen auch erstmal vermeiden und zum Beispiel mehr mit Freund*innen abhängen, die das nicht in Sisha-Bars tun. So entsteht der Gruppenzwang ums Dampfen gar nicht, du setzt dich nicht dem Passivdampfen aus und ihr könnte zusammen eine gute Zeit haben.

Natürlich kann es trotzdem immer passieren, dass man etwas tut, was man im Nachhinein bereut. Dann ist es wichtig, darüber zu reden und sich jemandem anzuvertrauen.

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