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Diskriminierung – Was kann ich tun?

Quelle: Iconfinder: Nick Roach

Redaktion

Wenn die einen die anderen doof finden, weil die eben anders sind, aussehen oder denken, dann ist Ärger vorprogrammiert. Schritt 1 im Kampf gegen Diskriminierung: Verstehe, wie sie funktioniert. Schritt 2: Reagiere richtig.

Loser!“, „Schwuchtel!“, „Kanake!“, „Kopftuchschlampe!“ – wahrscheinlich musste sich jeder, der nicht Mainstream ist, der mit Akzent spricht oder ein Kopftuch trägt, schon mal solche Worte anhören. Menschen werden diskriminiert, weil sie „anders“ aussehen, nicht exzellent deutsch sprechen oder eine „andere“ Religion haben. Diskriminierung geht aber natürlich auch subtiler: Wenn in Deutschland Menschen mit dunklerer Hautfarbe oft gefragt werden, wo sie herkommen, in der Bahn besonders akkurat kontrolliert werden oder ihre Noten immer einen Tick schlechter ausfallen, als sie es verdient hätten, dann ist das ebenfalls diskriminierend, selbst wenn es manchmal unbewusst passiert.

Wenn wir mal genauer hinschauen sehen wir: Diskriminierung ist keine Frage der Herkunft oder einer bestimmten Religion.

Da wird einer runtergemacht und als Loser betrachtet, weil er nicht in Marken-Sneakers durchs Leben springt, sondern in No-Name-Tretern.

 

Da kriegt eine(r) den Job nicht, weil Frauen beziehungsweise Männer das ja angeblich nicht so gut können.

 

Da wird einer als Schwuchtel beschimpft, weil er auf Jungs steht.

 

Da wird einer auf offener Straße geschlagen, weil er eine Kippa trägt.

 

Das sind alltägliche Situationen, die viele von uns schon mal erlebt haben. Als Beobachter, als Opfer, als jemand, der mitmacht.

Eine ganz alte Geschichte

Diskriminierung ist, genau genommen, ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Schon unsere Vorfahren konnten sich in der eigenen Hood relativ sicher fühlen. Wenn sie aber auf eine fremde Sippe trafen, war Vorsicht geboten. Man konnte ja nie wissen, was „die anderen“ im Schilde führten. Auszutesten, wo der andere so steht, wie er sich unterscheidet oder welche Merkmale uns bekannt vorkommen, hilft uns, das Fremde einzuordnen. Diese Skepsis ist uns wahrscheinlich einprogrammiert, ganz egal, ob sie im Einzelfall begründet ist oder nicht. Ist Diskriminierung also ganz normal?

Ist sie nicht! Denn wie wir mit dieser Ur-Skepsis umgehen, liegt ganz bei uns. Im Grunde gibt es vier Möglichkeiten:

1. Rückzug – Wir machen unser Ding, ihr eures.

„Ok, die anderen sind sehr anders als ich, deshalb sollten wir nichts miteinander zu tun haben.“

Die Folge ist: Man sucht sich nur noch Freunde, die genau so sind wie man selbst. Die alle von da kommen, wo man selbst herkommt, die das Gleiche glauben, die genauso aussehen, die das Gleiche gut oder schlecht finden. Die eine Sippe hier, die anderen dort, die Fronten sind klar. Aus der gegenseitigen Skepsis können jedoch regelrechte Feindbilder werden. Es braucht dann nur einen Funken, damit der zerbrechliche Frieden platzt und umschlägt in offene Aggression.

2. Aggression – Die Antwort ist Krieg!

„Ok, die anderen sind sehr anders als ich, das kann nicht funktionieren. Der Stärkere gewinnt!“

Aus gegenseitigen Vorurteilen werden auch hier Feindbilder, und zwar auf beiden Seiten. Wenn dann Vertreter der einen Seite Dinge tun, die genau zu diesem Schubladendenken passen, wird das Feindbild vermeintlich bestätigt und auf die gesamte Gruppe übertragen. Das kann dann in Gewalt umschlagen. Angefangen haben natürlich immer die anderen, schuld sind immer die anderen. Entweder endet es damit, dass die eine Seite gewinnt und die andere Seite unterdrückt wird. Damit wollen sich die Verlierer natürlich nicht abfinden, denn wer ist schon gern Opfer. Also geht das Ganze von vorne los. Oder es gibt keinen eindeutigen Sieger und alles endet ebenfalls in einer endlosen Kette aus Gewalt und Gegengewalt.

3. Assimilation – Anpassung total

„Ok, die anderen sind sehr anders als ich, aber sie sind in der Mehrzahl. Deshalb, muss ich mich anpassen. Sonst gibt es nur Stress, will ja keiner.“

Kann man versuchen, wird aber unter Umständen nicht funktionieren, wenn man dafür alle seine Überzeugungen, Traditionen, Gewohnheiten über Bord werfen muss. Wenn man sich selbst verleugnen muss. Assimilation (Anpassung) ist nur dann eine Option, wenn man bereit ist, in jeder Beziehung so zu werden, wie „die anderen“, wie der Mainstream. Und womöglich funktioniert es auch dann nicht – falls man äußerlich immer noch „anders“ aussieht.

4. Integration – Miteinander statt nebeneinander

„Ok, wenn wir uns gegenseitig nicht verstehen, sollten wir mal miteinander reden.“

Es ist hilfreich, nicht gleich eine Abwehrhaltung einzunehmen, wenn uns der jeweils andere komisch vorkommt. Wir werden feststellen: Über manche Dinge denken wir gar nicht so verschieden. Über andere schon – dann sollten wir darüber diskutieren. Bei manchen Dingen werden wir unterschiedlicher Meinung bleiben, aber das muss auch nicht schlimm sein. Integration ist eine Aufgabe für beide Seiten. Und sie erfordert Neugier. Auch Neugier ist ein Mechanismus, den wir noch aus der Steinzeit geerbt haben: Sie ist vielleicht die wichtigste unserer menschlichen Eigenschaften. Jahrtausendelang hat sie dafür gesorgt, dass wir neue Erkenntnisse gewinnen, dass wir herausfinden, wo es das beste Essen gibt, wie man Feuer macht, wie man sich das Leben besser machen kann.

Nun ist die Welt leider nicht perfekt – bis wir uns alle gegenseitig integriert haben, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Bis dahin kann es helfen, wenn wir ein paar Strategien haben, mit denen wir reagieren können, wenn wir selbst oder jemand anderes diskriminiert wird. Hier sind ein paar davon.

Du musst nicht über jedes Stöckchen springen, das man dir hinhält. Verbale Angriffe kann man auch mal ins Leere laufen lassen. „Für diesen Quatsch hab ich gerade keine Zeit“, kann eine Antwort sein, um den Angriff des Gegenübers auszubremsen. Manchmal ist auch keine Reaktion die beste Reaktion, schon um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, um sich selbst zu schützen.

Auf Dauer schafft man Diskriminierung nur aus der Welt, wenn man dagegen aufsteht. Egal, ob du selbst oder jemand anderes betroffen ist: Wenn du merkst, dass sich jemand diskriminierend verhält, sprich sie oder ihn darauf an. Bleibe höflich, reagiere nicht mit einer Gegenaggression, das bringt gar nichts. Manche Leute diskriminieren nicht absichtlich und können aus deinem Hinweis vielleicht was lernen. Weise den oder die Täterin auf Widersprüche, Fehler und falsche Verallgemeinerung in ihren Aussagen hin.

Wenn dich jemand diskriminiert, versucht er oder sie dich zu erniedrigen und sich selbst über dich zu stellen. Zeige in Sprache, Körperhaltung und Inhalt deiner Antwort, dass du kein leichtes Opfer bist. Bleib sachlich. Noch mal: Wenn du selbst aggressiv wirst, eskaliert die Situation unter Umständen. Damit schadest du nur dir selbst.

Beteilige dich aktiv an Aktionen und Organisationen, die sich gegen Diskriminierung stark machen. Die Gemeinschaft gibt dir Kraft und die Aktionen können zu Veränderungen führen. Egal ob politische Aktionen, Sport oder Kunst- und Kulturprojekte – es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Lerne so viel du möchtest über Diskriminierung. Das kann dir helfen, die Diskriminierung zu durchschauen und zu verstehen, wann jemand eindeutig deine Rechte oder die Rechte anderer verletzt. Dann kannst du entsprechend reagieren und dich dagegen wehren.

Wenn du offen diskriminiert wirst: Sprich Umstehende an, damit sie dir gegebenenfalls helfen. Wenn Gewalt ins Spiel kommt und Gesetze gebrochen werden, sind die Polizei und die Gerichte dafür zuständig. Sie können aber meist erst aktiv werden, wenn es eine Anzeige gibt. Es gibt Beratungsstellen und Notfalltelefone, die dir weiterhelfen können, Sozialarbeiter in deiner Schule oder Antidiskriminierungsbeauftragte.

Wenn du Hass und Diskriminierung beobachtest, kannst du das zum Beispiel hier online melden. Das Portal ist ein Angebot von jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, das uns auch bei diesem Beitrag unterstützt hat.